Job
Vertragsverlängerung
20. Mai 2007 15:16 Uhr |
So, die Unsicherheit hat zunächst ein Ende: ich habe die (wohlverdiente) Vertragsverlängerung bekommen. Die weiterhin befristete Weiterbeschäftigung in der Waldheimat geht nunmehr bis zum 30.11.2007. Die temporäre Sicherheit beträgt also sechs Monate, wobei ich mich dann in schon drei Monaten wieder arbeitssuchend melden muss.
Hintergrund der Vertragsverlängerungen in nahezu letzter Sekunde, die natürlich nicht nur mich betreffen, sondern auch Kolleginnen und Kollegen, ist IMHO die Verlagerung des wirtschaftlichen Risikos der Einrichtung vom Arbeitgeber auf den Arbeitnehmer.
Sollte also kurz vor Auslaufen des befristeten Vertrags ein Umstand eintreten, der die Wirtschaftlichkeit des Arbeitsplatzes beeinträchtigt, tja, dann gibt es halt keine Vertragsverlängerung. Solche Umstände könnten hier z.B. sein: Tod eines oder mehrerer Bewohner, Umzug eines oder mehrerer Bewohner, neue Vorgaben der Kostenträger…
Insgesamt bleibt gesellschaftskritisch festzuhalten: Arbeitnehmer werden zunehmend an betriebswirtschaftlichen Risiken beteiligt, bei dauerhaftem wirtschaftlichem Erfolg aber natürlich nahezu immer außen vorgelassen. Wie auch sonst?
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Kinder und Frauen zuerst?
05. Okt 2006 13:37 Uhr |
Ich befinde mich auf einem sinkenden Schiff! Das Kurzzeitwohnen der Waldheimat, eingebettet in das Haus 4 mit einigen stationären Plätzen, wird aufgrund von bestehenden Rahmenverordnungen entweder mittelfristig, oder sogar eher schon kurzfristig so nicht weiter bestehen können. Das ist schade um das jetzige Konzept des 'kleinen Rahmens', und natürlich auch um das relativ frisch formierte und sehr gut funktionierende Mitarbeiterteam. Bewohner und Klienten stehen bei alledem sowieso nicht im Vordergrund.
Nun gibt es Ideen und erste Konzeptansätze, wie eine Weiter- und Umführung aussehen könnte. Dabei ist der Personalmangel auf der Gruppe, auf der ich im September ausgeholfen habe von immenser Bedeutung, auch wenn das in aller Offenheit so nicht ausgesprochen wird (werden kann). Auf eben jener chronisch unterbesetzten Gruppe soll durch Umverteilung des Personals langfristig eine neue Perspektive geschaffen werden.
Warum ist 'langfristig' hier wohl fett geschrieben? Richtig: ich habe nur einen Jahresvertrag, der schon Ende Mai 2007 ausläuft. Da kommt mir so etwas wie 'langfristig' gerade recht. Und so werde ich wohl, trotz dem von mir sicherlich nicht favorisiertem Pflegeschwerpunkt auf eben jener Gruppe, eine dauerhafte Versetzung anstreben, auf dass sowohl die Gruppe, als auch ich von der langfristigen Perspektive profitieren können.
Und damit ist geklärt: Kinder und Frauen zuerst? Nein, diesmal nicht, ich werde das sinkende Schiff wohl als Erster verlassen! Und so könnte dem verbleibendem Team des Kurzzeitwohnens auch eventuell noch eine Gnadenfrist eingeräumt werden können. Eine kurzfristige Komplettauflösung könnte in eine mittelfristige umgemünzt werden. Und dann heißt es wohl wieder: Kinder und Frauen zuerst!
Oh, ich kleines naives Würstchen!
30. Aug 2006 20:29 Uhr |
Wie schon mehrfach berichtet, arbeite ich seit einiger Zeit in der Waldheimat. Am 16.8. hatte ich nun mein erstes Probezeitgespräch, das insgesamt sehr positiv verlaufen ist. Während dieses Gesprächs tätigte ich die Aussage, dass das Johanneswerk im Allgemeinen und die Waldheimat im Besonderen ein wirklich guter Arbeitgeber sei, der sich um das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter kümmere, ihnen ein größtmögliches Mitspracherecht einräume, insgesamt gerade in der heutigen Zeit des Druck ausübens geradezu vorbildlich sei - mit Vorbildfunktion also. Diese einschleimenden, aber bis dahin dennoch ehrlich gemeinten Worte wurden von der anwesenden Bereichsleitung mit einem nicht zu geringen Maße der Genugtuung erhört.
Oh, ich kleines naives Würstchen!
Keine zwei Wochen später sollte ich 'zwangsversetzt' werden, ohne gefragt zu werden, ohne Mitsprache und vor allem ohne Sinn. Noch im Probezeitgespräch wurde von mir selber thematisiert, dass ich bisher keinerlei Erfahrung, geschweige denn Ausbildung in der Pflege habe. Und jetzt soll ich für zunächst einen Monat Dienst leisten auf einer Gruppe mit sehr hohem Pflegeaufwand. Nicht, dass ich grundsätzlich Berührungsängste hätte. Nein, überhaupt nicht. Aber eine Hilfe für den täglichen Gruppenbetrieb werde ich wohl kaum sein können. Außer man hat noch andere, bisher nicht angesprochene Dinge mit mir vor. Springer, ich hör' dir tapsen.
Dass nach dem neuen Dienstplan, den ich heute, immerhin zwei Tage vor Inkrafttreten, bekommen habe, meine drei-Tage-Woche auf eine knappe fünf-Tage-Woche 'erweitert' wurde, ist nur ein weiteres kleines Ärgernis. Nun ja, ich fahre ja gerne nahezu täglich die 60km für drei Stunden Dienst. Vom Verdienst kann ich dann ja zumindest knapp die Spritkosten decken.
Abschließend bleibt erstmal festzuhalten: die Waldheimat ist ein Arbeitgeber wie nahezu alle anderen auch. Mitarbeiter sind keineswegs Kapital im engeren betriebswirtschaftlichen Sinne, nein, sie sind Kostenfaktoren (vgl: Humankapital), die nach der Pfeife des
Ach ja, hatte ich schon erwähnt, dass der Urlaub meiner 'regulären' Kolleginnen während der Herbstferien bisher kommentarlos noch nicht genehmigt wurde? Im Oktober, dann, wenn ich eigentlich wieder am ursprünglichen Einsatzort sein sollte (aber, blickend in die Glaskugel, bestimmt nicht sein werde).
Alles sehr demotivierend!
Ich sehe tote Menschen
11. Aug 2006 14:27 Uhr |
Ich hatte es ja schon geschrieben, ich arbeite seit einiger Zeit in der Waldheimat, einem Wohnheim für Menschen mit geistigen Behinderungen. Was ich nicht erwähnt hatte ist, dass ich dort vor ca. 15 Jahren auch schon meinen Zivildienst abgeleistet hatte. Somit (er)kannte ich einen Großteil der Bewohner und auch sogar noch einige Mitarbeiter. Das hat den Einstieg doch erheblich erleichtert.
Nun ist kurz nach meinem Arbeitsbeginn ein Bewohner gestorben, von einer anderen Wohngruppe, ich kannte ihn noch von früher. Nun, tragisch, aber Ersticken ist angeblich (leider keine Quelle gefunden) die zweithäufigste Todesursache bei Menschen mit geistiger Behinderung.
Soweit das Vorgeplänkel. Jetzt wird es gruselig. Heute, ca. 7 Wochen nach dem Tod des Bewohners, habe ich ihn wieder gesehen, live und in Farbe, auf dem Wohnheimgelände. Er grüßte freundlich, lächelte mir entgegen. Von einem zombihaften Aussehen keine Spur, nicht zerfleddert, eher makellos. Geiler Trip - da muss mir wohl jemand 'was in die Milch geschüttet haben. Ich war in Begleitung eines anderen Bewohners. Der grüßte den Toten als wäre nichts geschehen. Ich musste Schlucken. Es folgte noch ein 'Hallo X' und dann war X aus meinem Sichtfeld entschwunden. Nochmals Schlucken! Und Schlucken! Dann, halt, X? War nicht Y gestorben? Schlucken! X, Y, wer ist denn nun wer? Sollte ich etwa nach 15 Jahren einfach das falsche Bewohnergesicht vor meinem geistig umnebelten Auge gehabt haben? Muss wohl so sein!
Also, niemand hat etwas in meine Milch geschüttet. Ich sehe auch keine toten Menschen. Benebelt bin ich trotzdem. Der Schluckauf ist weg.
As time goes by…
27. Jul 2006 11:56 Uhr |
Gestern habe ich endlich meinen Arbeitsvertrag bekommen. Leider zunächst auf ein Jahr befristet. Und davon sind nach dem Dienstantritt am 1.6. nunmehr schon knapp zwei Monate 'rum. Wie die Zeit vergeht…
Krise, Krise…
25. Jul 2006 20:59 Uhr |
Ich arbeite nunmehr seit einigen Wochen im Kurzzeitwohnen der Waldheimat, einem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung in Trägerschaft des ev. Johanneswerkes. Einer der momentanen Klienten hört von morgens bis abends Musik. Vornehmlich die älteren Alben von Jean-Michel Jarre, die ich Anfang bis Mitte der 80er auch mit Begeisterung gehört habe. Nun, ich dachte mir, dass ein wenig Abwechselung nur gut tun kann und habe meine neue Leidenschaft aufgelegt. Was dann ein "Krise, Krise…" zur Folge hatte.
Es kann ja nun nicht jedem gefallen


